Fleischwölfin, mach mal deine Schränke auf! Teil 1: Trockensojaprodukte

…Sojaschnitzel, Sojabohne, Sojawürstchen… Ich liebe diese Bohne, aus der man allerlei Quatsch basteln kann. Ich liebe auch den gebastelten Quatsch. Heute zu den Trockenprodukten.

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Die Sojabohne.

Soja wird gern diskutiert. Das könnt ihr auch gerne machen, ihr findet viele spannende Artikel dazu. Kurz zusammengefasst: Soja wird hauptsächlich (viele Quellen sprechen von 98%) als Tierfutter verfüttert. Der Anbau findet vorwiegend in Lateinamerika und Nordamerika statt, da wir zu wenig (gute) Anbauflächen dafür haben. Die Monokultur Soja ist eher mittelcool, das Verfüttern nochmal mittelcool und dann kommt auch noch die Verdrängung von Mensch, Tier und Fläche hinzu. Außerdem fliegt Soja ziemlich weit, um zu uns zu kommen, entweder bereits verfüttert oder als Tierfutter.

Trotz dessen wird Soja auch direkt verarbeitet oder so angeboten, dass es vom Menschen verzehrt werden kann. Diese Verwendung des Soja ist prozentual viel geringer. Es dient dann zur Weiterverarbeitung u.a. auch in Fertigprodukten (nicht nur vegane übrigens) oder zu „Fleischersatzprodukten“. Seit einigen Jahren bemühen sich Bauern aus europäischen Ländern, Sojabohnen auch hier zu kultivieren. Rumänien, Italien und Frankreich bauen schon länger erfolgreich Soja an, in den letzten Jahrzehnten haben sich auch Österreich und Deutschland (vor allem mit Bio-Soja) etablieren können. Ihr könnt also sehr wohl auch deutsche Sojaprodukte kaufen.

Ich mag die Vielfalt. Und darum verschiedene Produkte. Ich probiere alle aus, zunächst unabhängig davon, wo die Ursprungs-bohne herkommt. Ich liebe die mancherorts verpönten „Fleischersatzprodukte“, die meine Ernährung ergänzen. Dazu sei zu sagen: Es gibt kein Patent auf die Form Wurst. Sonst müssten wir für den Toilettengang Tantiemen zahlen. Es gibt auch kein Anrecht von Fleischessern auf die Gewürzmischung mit Piment, Salz und Majoran. Das ist zumeist das, was so nach „Fleisch“ schmeckt. Außerdem haben die meisten Produkte, die mit Soja gezaubert werden, bereits seit Jahrhunderten einen festen Platz in der asiatischen Küche und auch einen wertvollen Sinn. So gibt es dort auch viele Rezepte, in denen Fleisch und (NUR in westlichen Kulturen so genannte) Fleischersatzprodukte kombiniert werden. Tofu ersetzt nicht Hackfleisch. Tofu ist Tofu. Man kann ihn würzen. Und man kann ihn trocknen, formen und braten oder pürieren. Tofu hat sich nicht ausgesucht, dass er dann so aussieht oder schmeckt wie eure Bratwurst oder euer Hack oder Huhn. Aber wenn er das tut, dann find ich das mindestens spannend. Die Sojabohne ist also ein Allrounder.

Herzlich willkommen im Küchenschrank. Meinem Küchenschrank. Voller Essen. Von überall her. Ich kann mich nicht gut zurückhalten. Ich möchte die Sachen ausprobieren, damit kochen und beim Essen denken: Boah. Geil.

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Tofu ist das bekannteste Produkt aus der Sojabohne. Es gibt ihn (grob gesagt) in 3 Konsistenzen. Ganz weich (Seidentofu), mittelfest (gibt es am häufigsten in Asia-Läden) und fest oder schnittfest. Zu Tofu mach ich noch mal einen eigenen Beitrag, denn: Dafür fehlt mir hier der Platz.

Um zu solchen Trockenprodukten zu kommen, bedarf es nur Sojamehl. Wirklich, in den meisten Trockensojaprodukten ist nur Soja drin. Nix mehr. Das Sojamehl wird von den öligen Bestandteilen durch Pressen befreit und dann aufgepufft, bis es zu ner Form gelangt, die wir weiter verwenden können. Hier 2 Beispiele, die ich gern verwende: Soja Schnetzel. Günstig, relativ fettarm und leicht in der Anwendung. Ihr könnt diese Schnetzel entweder in Flüssigkeit baden und aufkochen, danach oder währenddessen marinieren oder aber auch in Soßen direkt geben. Wer den „Sojageschmack“ nicht so mag (Ich schmecke den nicht, daher die Anführungsstriche, denn mal ehrlich… glaub ich eh nicht…;) ) kann und darf gern die Sojaschnetzel auswaschen. (Heißes Wasser drüber, warten, ausdrücken, nochmal aufkochen oder einweichen oder marinieren. Zack. Weg. Oder eben nie da gewesen.) Was mach ich damit? Gulasch, Eintöpfe, krosse und scharf marinierte Gimmicks für allerlei Essen, herzhafte Beilagen, Bolognese und Lasagne definitiv. Vorteile? Günstig für viele Leute und super Haltbarkeit.

Wer in anderen Ländern unterwegs ist, findet auch dort mittlerweile überall Produkte aus Soja. Hier in polnischen Supermärkten gefunden: Soja-Kotelettes, Gulasz und Flaczki. Flaczki habe ich noch nicht probiert, sie sind Bestandteil der traditionellen polnischen Küche, ein Eintopf, der aus in Streifen geschnittenem Rindermagen besteht. Macht nix, wir machen das mit Trockensoja. Und ich habe die Inhaltsstoffe mal dazu gepostet. Soja. Kräuter und Gewürze. Fertig. img_5561

Jepp. Mag ich. Gibt es. Testet es. Es ist nix anderes als Soja. Aber da hat schon wer ne Form draus gedrückt und macht es mir einfacher, traditionelle Gerichte zu kochen. Find ich ne nette Geste.

Als Abschluss ein kleiner Abstecher hin zu einem weiteren „Fleischersatz“. Seitan. Seitan besteht nicht aus Sojabohnen, sondern aus Weizen. Der Weizen wird so gewaschen (jepp), dass am Ende nur das Gluten übrigbleibt. Dazu gibt es auch allerlei Diskussion. Diese überspringen wir und schauen uns 2 Produkte an, die auf dem Markt sind: Bereits verarbeitetes Gluten, mariniert und als Enten-, Hühnchen-, oder Schweinefleischersatz in Dosen in Asialäden verkauft. Mock Duck, Mock Pork oder Mock Chicken sind Produkte, die die asiatische Küche bereits lange verwendet und die dort etabliert sind. Konsistenz und Würzung sind witzig, ich liebe es, damit zu kochen. Auch hier gilt mindestens: Die Balance macht es. Rechts hingegen Seitan-Fix, also das bereits rausgewaschene Gluten, das jetzt trocken und gut haltbar in Tüten verkauft wird. Mit diesem Mehl könnt ihr eigene Fleischkreationen zaubern. Der Umgang damit ist nicht unfassbar simpel, bedarf ein wenig Übung und auch ein wenig Zeit, lohnt sich aber und macht Spaß. Für Seitanprodukte gibt es auch baldigst eine eigene Seite.

Grundsätzlich also von mir ein Tipp: Probiert Sachen aus. Vielleicht findet sich die eine oder andere Sache, die ihr toll findet. Oder ihr findet ein Produkt, mit dem ihr nen ganzen Kindergeburtstag bekochen könnt. Oder ihr findet heraus, dass ihr eine Vorstellung von Soja hattet, die vielleicht etwas daneben lag. Wie dem auch sei: Dies ist ein kleiner Teil meines Küchenschrankes. Weitere Teile kommen und sollen zeigen: Ui, lecker, spannend, witzig, interessant, oha!

Und jetzt seid so nett und stattet euch mit allem aus, was ich so habe, damit ich anständig mit euch kochen kann. 😉

Guten, ihr Lieben!

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